Margit Grüger

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1946                  in der deutschen Provinz geboren
1963-1965          Lehre als Schrift- und Werbemalerin
1965-1968    Arbeit im Beruf
1965-1967Abendstudium an der Mal- und Zeichenschule Zwickau bei Prof.Carl Michel
1968 Umzug nach Berlin
1968-1971Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin-Oberschöneweide
1971Abschluß: Diplom-Designerin
1971-1976Arbeit im Beruf
1974-1976Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Fachbereich Grafik
1976-1981Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Diplom Freie Grafik
1982-1983Fördervertrag des Magistrats von Berlin
1983-1986        Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR bei Werner Stötzer
Beginn der bildhauerischen Tätigkeit
2003                  Sechs Gedichte in “Das Gedicht lebt!“, Band 4, Anthologie ausgewählter zeitgenössischer Dichterinnen und Dichter des 3.Jahrtausends, R.G. Fischer Verlag Frankfurt am Main
 lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin (Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Lyrik und Prosatexte)

 

  Einzelausstellungen (Auswahl)
  
2013Galerie von Waldenburg, Waldenburg
2012Skulpturen und Bilder im Innenhof, Galerie Kunst am Meer, Zinnowitz
2011            Büchergilde Buch & Grafik, Bonn
2010Büchergilde Buch und Kunst, Mainz
Büchergilde Buchhandlung und Galerie, Wiesbaden
Deutsche Bank Unter den Linden, Berlin
2008GRS Berlin-Charlottenburg
2007Bezirkszentralbibliothek am Luisenbad, Berlin
Büchergilde Buchhandlung und Galerie, Hamburg
2005Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz, Berlin
2002Kelly Gallery, Fort Wayne, USA (mit Paula Sancheballero, Spanien)
2000Leipziger Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz
GRS, Berlin-Charlottenburg
1997Forum-Hotel Berlin (mit Winfried Fitzenreiter), Berlin
1995Inselgalerie (mit Marika Voß), Berlin
1994Galerie am Markt, Gera
1993Werkstattgalerie Studio Bildende Kunst, Berlin
1992Galerie in der Dresdner Bank, Berlin
1991Berliner Stadtbibliothek, Berlin
Humboldt Universität zu Berlin (mit Serge Gladkich), Berlin
1990Galerie im Moor, Grasberg/Bremen
1989/1990Galerie M, Berlin-Marzahn, Katalog
1989Galerie im Stadthaus Jena
 Galerie am Dom, Schwerin, Katalog
1987Akademie der Wissenschaften, Berlin
1986Galerie Sophienstr.No.8, Berlin
1983          Galerie Junge Kunst (mit Margot Schmidt), Berlin

 

                          Ausstellungsbeteiligungen und Kunstmessen (Auswahl)
  
2013Silber, Galerie Friendly Society, Berlin
Highlights 2012, Galerie Friendly Society, Berlin
2012Literatur und Musik in der Bildenden Kunst, Galerie Friendly Society, Berlin
Büchergilde am Wittenbergplatz, Berlin-Schöneberg
Der Nikolaus war fleißig Teil 5, Galerie Friendly Society, Berlin
Darf ich zum Tanz bitten?, Galerie Friendly Society, Berlin
2011Der Nikolaus war fleißig Teil 4, Galerie Friendly Society, Berlin
2010                    Galerie Carlshorst, Berlin
Der Nikolaus war fleißig - Teil 3, Galerie Friendly Society, Berlin
2007             Druckgrafik Berliner Künstler, Galerie Friendly Society, Berlin
2006Galerie Parterre, Berlin
Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz, Berlin
Künstler der Galerie, Galerie Friendly Society, Berlin
2005Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, Erfurt, Katalog
Galerie von Eichenau, Berlin
Galerie Aujourd´hui, Berlin
2002Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster
1998Storkower Bogen, Berlin
Studio Gallery, Berkeley, Kalifornien, USA
1995/1996         Galerie Schlassgoard, Esch/Alzette, Luxemburg
1991/1992Kunstmesse am Fernsehturm und im Ephraimpalais, Berlin
1990art+print, Wien
1989Galerie im Körnerpark, Berlin
Galerie Messer-Ladwig, Berlin, Katalog
Galerie am Sachsenplatz, Leipzig, Katalog
1988Maxhütte Unterwellenborn, Katalog
Galerie Sophienstr.No.8, Berlin
Galerie in der Ruine der Franziskaner-Klosterkirche, Berlin, Katalog
1987100 ausgewählte Graphiken, Berlin, Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Rostock, Suhl, Katalog
11 Meisterschüler, Akademie der Künste der DDR, Berlin, Katalog
1983/1987Kunst und Sport, Leipzig, Katalog
1983/1986Bezirkskunstausstellung am Fernsehturm, Berlin, Katalog

 

                       Studienaufenthalte
                     u.a. in Italien, Frankreich, Holland, Norwegen, Usbekistan, Kalifornien, Schweiz

                        

                           Arbeiten in öffentlichem Besitz (Auswahl)
  
                          Akademie der Künste zu Berlin, Porträt „Patrizia“, Kohlezeichnung, 26 Druckgrafiken 1983-1989
 Bezirksamt Pankow von Berlin/Abteilung Kultur, Wirtschaft und öffentliche Ordnung
 Amt für Kultur und Bildung/Kommunale Kunstsammlung
 Berlin zwischen Fischerinsel und Leipziger Straße (Grafik-Folge). Das Bezirksamt besitzt vier der insgesamt sechs Arbeiten.
 Kunstsammlung Maxhütte, seit 1995 im Besitz des Freistaates Thüringen und in der Verwaltung
 des Stahlwerkes Thüringen GmbH: Straßenszene I, Mischtechnik auf Leinwand, Straßenszene II, Mischtechnik auf Leinwand, Begegnung am Nachmittag, Acryl auf Leinwand, Spaziergänger, Acryl auf Leinwand
 Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Mahn und Gedenkstätte Ravensbrück: Bildnis Helen Ernst, Mischtechnik auf Leinwand
 Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. Leipzig, Bildnis Louise Otto-Peters, Farbholzschnitt      Stadtverwaltung Leipzig, Bildnis Louise Otto-Peters, Farbholzschnitt

 

                          Wettbewerbe u. Symposien
                             
                         Max braucht Kunst, VEB Maxhütte Unterwellenborn/Thüringen, 1988, Werkaufträge u. Ankäufe

 

 

VOM SCHREITEN ZUM TANZEN

Die Formexzentrikerin Margit Grüger ist nicht nur Druckgraphikerin, sie ist auch Malerin, Bildhauerin und Dichterin.

von Volkhard Böhm

Im Norden Berlins in einer Eigenheimsiedlung aus den 1990er Jahren, stehen große Skulpturen, manche farbig gefasst, expressiv-bizarr in ihrer Gestik oder zeichenhafte Asketen, alle in ihren Bewegungen scheinbar erstarrt. Die Bepflanzung überragend, scheinen sie vor einem kleinen flachen Gebäude zu wachen; Hier lebt und arbeitet Margit Grüger. Die Siedlung befindet sich in Französisch-Buchholz, einem schon lange in Berlin eingemeindeten Dorf, in dem seit 1685 infolge des Edikts von Potsdam französische Hugenotten angesiedelt wurden.

Margit Grüger wurde in den 1980er Jahren durch ihre Figur-Stadtraum-Beziehungsbilder schnell bekannt. In imaginären Stadträumen aus Wänden, Straßenecken und Kreuzungen, zusätzlich verfremdet durch geometrische Gebots- und Verbotsschilder und gebogene Peitschenlaternen, schreiten zeichen- und marionettenhaft wirkende Figuren, konstruktivistisch aufgefasst, sparsam in der Form, ausgeführt als Farb- Aquatintaradierungen. Mit dieser charakteristischen Bildsprache war sie unverwechselbar in der Kunstlandschaft Berlins. Von einer distanziert beobachtenden Position aus gelang ihr die Analyse einer festgefahrenen Gesellschaft, eine Persiflage von Geführten und Verführten und letztlich eine Schilderung der Entfremdung des Menschen in einer anonymisierten Welt. Die Stärke der Arbeiten liegt in ihrer Reduktion auf das Wesentliche.

In den späten 1980er Jahren wechselte Margit Grüger das Thema und damit auch die Technik; sie erarbeitete in komplizierten Kombinationsdrucken, meist Hochdrucken, eine Serie aus der Punkszene. Hier zeigte sie sich fasziniert von schriller Farbgebung und bizarren Formen, mit denen sie die opponierende Geisteshaltung bildkünstlerisch umsetzte.

Ab 1991 entstand gedruckt und gemalt die große Werkgruppe „Schweben zwischen Zeit und Ewigkeit“. Die zwei Kaltnadel-Folgen „Memento mori“ und „Memento mei“ thematisieren Margit Grügers Betroffenheit über gesellschaftliche Entwicklungen: „Die ständige Bedrohung des Menschen, Krieg und Schrecken, Streit und Gewalt, Hass gegen Andersdenkende, gegen Ausländer und vieles mehr beunruhigen mich“. (M.G.)

Während in der Folge „Memento mori“ (Gedenke des Todes) die geneigten Köpfe mit den Tränen in den Augen und der die schmerzvolle Miene verbergenden Hand auf die allgemeine Vergänglichkeit des Menschen hinweisen, warnen die Blätter der Serie „Memento mei“ (Gedenke mein ) vor der Entfremdung der Menschen voneinander in einer materialisierten, bürokratisierten und technisierten Welt und fordern Zuneigung, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu- und miteinander ein. Die Köpfe wenden sich in diesen Arbeiten einander zu, verneigen sich voreinander, mit großen, erstaunten oder schmerzerfüllten Augen. „Ich versuche Sinnbilder zu schaffen, die die Allgegenwart des Todes, die Bedrohung: Mensch - Mensch, Mensch - Tier, Mensch - gesamte Umwelt ausdrücken und die die Balance zwischen Bestehen und Vergehen als Mahnung an alle aufzeigen“. (M.G.) Zeitgleich entstehen in logischer Fortführung des Themas auch Kaltnadelradierungen zum Thema Totentanz; zeichenhafte Gesichter in kreisrunden, kreisenden Formen.

Während in den Kaltnadelarbeiten die schwarze Farblinie auf dem weißen Grund des Papieres schwebt, sind die Figuren und Konturen in den Holzschnitten der nächsten großen Bildfolge oft Weißlinienschnitte innerhalb strukturierter Farbflächen.

Ab Mitte der 1990er Jahre beschäftigte sich Margit Grüger im Holzschnitt, und in aquarellierten Kaltnadelarbeiten mit dem Tanz. Angeregt wurde sie dazu durch ihr Interesse für das Schicksal des berühmten polnischstämmigen russischen Balletttänzers und Choreographen Vaclav Nijinsky. 1888 in Kiew geboren, war Nijinsky einer der bedeutendsten Tänzer, ein künstlerischer Revolutionär. Er schien schwerelos zu sein, da er Sprünge scheinbar in der Luft anhalten konnte. 1919 wurde Schizophrenie diagnostiziert. In den folgenden 30 Jahren zeigte er in den wenigen lichten Momenten, dass die Krankheit seinen Geist verwirren, aber sein Genie nicht zerstören konnte. 1950 starb er in London. Gerade um 2000 und in den ersten Jahren danach ließen sich auffallend viele KünsterInnen und AutorInnen vom Phänomen Nijinsky anregen und faszinieren.

Bewegung war in Margit Grügers Schaffen immer wichtig, die ausgreifende Bewegung kam in den Totentanzblättern hinzu. Ein Blatt widmete sie direkt Nijinsky, in allen aber huldigt sie dem Tanz als Ausdrucksträger: Freude, Ausgelassenheit, Eleganz, Niedergeschlagenheit, Innigkeit, Schmerz, Kraft, Trauer. In den Holzschnitten stehen Formen und Figuren meist flächig, groß im Bild, wie immer ohne Tiefendimension. In den Farbdrucken prallen satte Farben in Rot, Pink, Blau und Grün, und Violett aufeinander. Übergänge gibt es nur, wo sich überschneidende Formen lasierend übereinander legen.

Gesichter sind meist groß, rund, maskenhaft in ihrer Vereinfachung und wirken dadurch allgemeingültig, ekstatische Körper scheinen uneingeschränkt hingegeben in Verrenkungen und Anwinkelungen.

Gesichtslose oder großäugige Köpfe und hervorgehobene Hände mit gespreizten Fingern fordern Aufmerksamkeit ein, stehen für Abwehr, Erflehen oder Ekstase. Alles wirkt elementar und urtümlich, selbst die kleinste Form wird monumental. Berührungspunkte gibt es mit dem expressionistischen Holzschnitt und der Symbolträchtigkeit und den Abstraktionen HAP Grieshaber.

In diesen Blättern ist Margit Grüger in Linienzeichnung, Form und Farbwahl ganz Graphikerin, während im oft zart-sensiblen Abdruck der Farbflächen oder in den aquarellierten Partien malerische Intentionen durchscheinen. Wie in den Weißlinienschnitten sind auch in den aquarellierten Kaltnadelarbeiten die Figuren nur durch Konturlinien festgelegt. Ihre Leichtigkeit und Eleganz wird durch die sparsam lasierend aufgetragene Aquarellfarbe unterstützt. Während in den Holzschnitten melancholische und dramatische Grundstimmungen überwiegen, sind die Figurationen der Radierungen geradezu kokett, haben, wie im gesamten figürlichen Werk, immer etwas Rätselhaftes, Unergründliches und Mystisches. Meist sind es Einzeldarsteller, oft mit clownesker Ausstrahlung. Sie erscheinen wie der Blitz am gewittrigen Abendhimmel, düster, geheimnisvoll, bizarr aufleuchtend, oder wie eingefroren, gebannt in das Geviert der Holzplatte, kompakt in der Form oder filigran in der Zeichnung, sie agieren auf einer imaginären Bühne mit geheimnisvoller Beleuchtung.

Margit Grüger, geboren 1946 in der ostdeutschen Provinz, Lehre als Schrift- und Werbemalerin, 1968 Umzug nach Berlin, Designer-Diplom an der Fachhochschule für Werbung und Gestaltung, Diplom Freie Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, danach Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR bei Prof. Werner Stötzer, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin (Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Lyrik und Prosatexte), zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland; Studienaufenthalte: u.a. in Holland, Italien, Kalifornien, Norwegen, der Schweiz, Usbekistan; Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen.

 

Orginaltext aus: Um:Druck -Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur. Nummer 18 Dezember 2011, Medieninhaber, Verlagsort, Redaktionsadresse: Verein Freunde der Druckgraphik, Landstraßer Gürtel 17/30, 1030 Wien, Österreich

Herausgeber: Prof. Dr. Philipp Maurer

 

Pressemitteilungen / Zitate aus Reden Auswahl

 

Ausstellung Hommage an den Tanz, Deutsche Bank, Berlin, Unter den Linden

„Hommage an den Tanz“ – kein schöneres Thema konnte sich Margit Grüger für ihre Ausstellung aussuchen, denn Tanz ist etwas, das für uns Menschen außerordentlich wichtig ist, wenn der Prozentsatz der tanzenden deutschen Erwachsenen leider sehr gering ist.

Margit Grügers künstlerischem Werk kommt man allerdings erst näher, wenn man an die Gastspiele berühmter Tanzkompanien z.B. in den Sophiensälen und im Radialsystem denkt, die mit berühmten Namen wie Pina Bausch oder Sascha Waltz verbunden sind (Nicht Udo Waltz…) Denn Margit Grügers Tänzerinnen und Tänzer sind eher Einzelkämpfer, grazile Gestalten, mal mit mehr mal mit weniger Bekleidung, öfters clownesk anzusehen.  

Ausgangspunkt für die Beschäftigung von Margit Grüger mit dem Tanz war das Schicksal des berühmten polnisch stämmigen russischen Balletttänzers und Choreographen Vaslav Nijinsky, dem in dieser Ausstellung zwei Holzschnitte gewidmet sind, der aber letztlich Pate stand für alle Arbeiten mit tänzerischen Motiven.

aus: Laudatio von Dr. Lutz Ackermann, Strahlenschutzphysiker, 29.März 2010

 

Ausstellung  Tanz - der Rest ist Phantasie, Büchergilde Buchhandlung und Galerie, Wiesbaden, 2010

Der Tanz ist seit 1986 ein immer wiederkehrendes Thema in meiner Arbeit. Grazie, Balance, Sprungkraft, Körperbeherrschung, Harmonie, Dahinschweben, Poesie…

Der Zauber des Tanzes inspiriert mich, Elemente des klassischen Balletts, des „ freien Tanzes“, des Volks- und Gesellschaftstanzes mit frei erfundenen Darstellungsformen zu kombinieren. Die bildende Kunst kann nur von der Kunst des Tanzes künden. Eine große Herausforderung, das Heilige bis zu einem gewissen Grade festzuhalten. Ich versuche, die Bewegung des Menschen in Raum und Zeit korrespondierend mit der Musik erahnen zu lassen. Die Hommage an den Tanz ist zugleich eine Hommage an Vaslaw Nijinsky, den Tänzer der Tänzer.

Statement, Margit Grüger

 

Ausstellung in der GRS Berlin-Charlottenburg

Margit Grüger, die diese Ausstellung ihren neuen Arbeiten widmete und uns insbesondere Druckgraphik und Collagen zeigt, die eine Fortentwicklung der im Jahr 2000 in der GRS vorgestellten „einsamen Könige und scheuen Amazonen“ darstellen. Einen Teil ihrer Werke widmet Margit Grüger schon seit längerem dem Tanz, und hier steht stellvertretend der Name des berühmten polnisch stämmigen russischen Ballettänzers und Choreographen Vaclav Nijinsky.Nijinsky starb am 8. April 1950 in London an den Folgen seiner schweren Erkrankung. Jedoch ist bis heute sein Name ein Synonym für perfekte Tanzkunst. Der Schmerz und die Trauer von Nijinskys Ehefrau – der ungarischen Tänzerin Romola de Pulszky wird in zwei Holzschnitten von Margit Grüger reflektiert. Oftmals muss man sehr dicht an das Bild herantreten, um überhaupt zu erkennen, dass es sich hier um eine Collage handelt, so raffiniert hat sie die bemalten Seidenpapiere verarbeitet. Man mag bei den abstrakten Collagen zunächst an die flächenhafte Gestaltung von Mark Rothko denken, dessen Werke im Moment in der Hamburger Kunsthalle bis zum 24.August zu sehen sind. Aber nein, das sind hier ganz andere Strukturen, die durch mehrfache Schichtung des Papiers entstehen.

aus: Laudatio von Dr. Lutz Ackermann, Strahlenschutzphysiker, 26.05.2008 

 

Ausstellung „Faszination Berlin“ Malerei und Grafik, Bibliothek am Luisenbad, Berlin

Die Werke von Margit Grüger entstehen aus Interesse und Neugier am Großstadtleben. Das zwischenmenschliche Beziehungsgeflecht verschiedenartiger Menschen wird beobachtet und artifiziell zum Klingen gebracht. Ein breites Spektrum von Befindlichkeiten in Dur und Moll.

aus: Flyer: Veranstaltungen/Ausstellungen, Bibliothek am Luisenbad, Januar 2007

 

 

Ausstellung Melancholie in Stein und Holz in der Buchhandlung Büchergilde am Wittenbergplatz, Berlin

Die Künstlerin will Aufmerksamkeit erregen, sie will treffen und verzaubern. Lässt man sich auf ihr kapriziöses Spiel, des „ an die Grenze Gehens“ ein, entfaltet sich die ambivalente Faszination der Arbeiten von Margit Grüger. Ihre Gestalten sind nachdenklich, traurig und einsam, anmutig und demütig, zart zerbrechlich und verletzlich. Zugleich strahlen sie Stärke und Selbstbewusstsein aus. Doch es bleiben Zweifel. Geheimes, Unergründliches und Mystisches ist nicht zu übersehen.

aus: Laudatio der Kunstmanagerin Heide Damaschun, 21.März 2005

 

Büchhergilde: artclub edition

Die in der deutschen Provinz 1946 geborene Künstlerin studierte 1976 bis 1981 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Freie Grafik und war Meisterschülerin an der Akademie der Künste bei Werner Stötzer. Seit 1981 ist sie freiberuflich tätig als Malerin, Grafikerin und Bildhauerin. Neben zahlreichen Ausstellungen in Deutschland waren ihre Arbeiten in Galerien in Luxemburg, Fort Wayne/USA und Wien zu sehen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

Wolfgang Grätz ,Leiter des Artclubs der Büchergilde, Frankfurt am Main, 2005

 

Ausstellung im Forum Hotel Berlin-Mitte

Der Reiz und das Charakteristische der Kunst von Margit Grüger liegen darin, dass sie nicht beliebig ist, nicht gefällig und auch nicht freundlich, wohl aber menschlich. Auf dem ersten Blick scheint über ihren Bildern ein leichter Film wohldosierter Aggressivität zu liegen, ausgehend von den kräftigen eigensinnigen Farben oder den spitzen, bizarren Formen der Frauen-gestalten, die sich wie unsichtbare Pfeile in das Auge des Betrachters bohren. Die Künstlerin will Aufmerksamkeit erregen, sie will treffen und verzaubern. Läßt man sich darauf ein, entfaltet sich die ambivalente Faszination der Arbeiten von Margit Grüger. Margit Grüger ist eine Einzelkämpferin, einsame Läuferin, auf einem Weg, an dessen Peripherie die Vollkommenheit sich schemenhaft andeutet – Vollkommenheit im Sinne makelloser Schönheit – Vollkommenheit im Sinne der Fülle von Schönem aber auch Schrecklichem, von Harmonie und Widersprüchlichem.

aus: Laudatio von Heide Damaschun,Kunstmanagerin,15.5. 1997

 

Ausstellung Stumme Gestalten, Inselgalerie Berlin-Mitte

In ihren Stilmitteln ist Margit Grüger nur schwer festzulegen. Sie sind dem Anliegen der jeweiligen Aussage untergeordnet und reichen von realistischer Wiedergabe über die das Wesentliche suchende Abstraktion bis hin zur gegenstandslosen Farbsprache, die sie immer dann wählt, wenn es ihr darum geht, das rational nicht Faß- nicht Darstellbare spürbar werden zu lassen.

aus: Laudatio des Bildhauers Helmut Florian, Bildhauer, 13.September 1995

 

Ausstellung Momente/Labyrinthe im Studio Bildende Kunst/Werkstattgalerie

In den Bildern nach 1990 tritt uns die Künstlerin nicht mehr nur vorrangig als Beobachterin, sondern noch mehr als mahnende Betroffene entgegen. In den unbetitelten Kombinationsdrucken knüpft sie künstlerisch an konstruktivistische Formprinzipien an. Es ist der Kreis, in den konstruktive Körperformen eindringen, oder von diesem eingebunden werden. Für mich wird diese Form, die an eine abstrahierte Vogelform erinnert, zum Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit, das durch den Kreis geschlossen wird – der Kreis hier als Sinnbild für Zwänge, neue Zwänge, denen wir, denen der Mensch unterworfen ist oder wird. 

aus: Laudatio des Kunstwissenschaftlers Volkhard Böhm, 28.April 1993  

 

Ostberliner Großstadtfaszination: Malerei, Grafik, Plastik. Erste West-Ausstellung der DDR-Künstlerin Margit Grüger, Galerie im Moor, Grasberg/Bremen

Margit Grüger lässt den Betrachter nicht am intensiven Trubel der Großstadt teilhaben, sondern macht vielmehr die Isolation des einzelnen in der Menge deutlich. Dieses geschieht keinesfalls auf eine negative Weise. Im Gegenteil, die Künstlerin lässt die Menschen als Individuen auftreten, die für den Moment der direkten Begegnung eine gewisse Interessantheit bergen, aber schon bald wieder in Vergessenheit geraten. in sich. Margit Grüger bezeichnet sich nicht als provokante Aufständische im ehemaligen SED-Regime. Doch tritt in ihren Bildern ein gewisser passiver Widerstand gegen die Zwänge der einstigen Herrschaftsschicht zutage. Die Distanz der dargestellten Figuren zueinander sowie die zum Teil sehr düsteren Farben machen das Misstrauen der Künstlerin deutlich.

Wümme Zeitung, Bremen, 2.April 1990

 

Ausstellung Malerei-Grafik-Plastik in der Galerie im Moor

Die Empfindsamkeit der Werke Margit Grügers, die tiefe geistige Bewegung der Künstlerin in ihren ständigen, weitergestaltenden Fragen nach den Charakteren und den Menschenleben ergreifen jeden, der die Bilder intensiv betrachtet. Eine positive Sicht des Lebens in der Stadt schlägt zu uns herüber, sie überwindet freimütig auch die Grenze in Deutschland. Seien Sie uns herzlich willkommen!                                                                

aus: Eröffnungsvortrag des Oberstudienrates Heiko Jörn, Grasberg, 03.März 1990

 

Kunstamt und Privatgalerie Messer-Ladwig Berlin zeigen Bildhauer Werner Stötzer, seine Lehrer und Schüler, Galerie im Körnerpark

Gleich am Eingang lädt die Schreitende von Margit Grüger mit ihrem grotesk-humorvollen Gebaren zum Rundgang ein.

Die Wahrheit, Iris Billaudelle, 3.August 1989

 

Ausstellung Malerei, Grafik, Plastik, Galerie am Dom, Schwerin

In fast allen Arbeiten gleicht der einmal gewählte Bildraum einer Bühne, er ist nicht konkret zu lokalisieren. Selbst in den heiter-melancholischen Artistenszenen umreißt die Künstlerin den Raum nicht, in dem Artisten und Clowns agieren und doch wird die unsichtbare Arena einer Zirkuswelt spürbar. Das Unsichtbare künstlerisch sichtbar zu machen, dadurch zeichnet sich der schöpferische Mensch aus. Ich denke, Margit Grügers Werk zu kennen, und es auch künftig nicht aus den Augen zu lassen, ist angeraten.

aus: Laudatio der Stellvertretendne Direktorin der Kunstsammlungen Staatl. Museen Schwerin Hela Baudis, Oktober 1989

 

Liebe Frau Grüger,

seit etlichen Wochen arbeite ich als Teilnehmer an einem Symposium in Westberlin an einem ziemlich großen Kalkstein. Von meinem Platz aus sehe ich die Türme des Französischen und des Deutschen Domes. Sie erinnern mich AUCH daran, etwas für Ihre Ausstellung zu schreiben. Wir haben immerhin etliche Jahre zusammengearbeitet und wie ich mich hier in der Gemeinschaft von Bildhauerinnen und Bildhauern prüfe, so war damals ja auch eine Prüfung gewesen. Sie müssen wissen, der Ältere kann nicht mit Sicherheit Rat geben. Als wir vor fünf Jahren Ihre Mappe durchsahen, war ich nicht RATLOS. Es war da etwas zu sehen, das offen und unschuldig vor mir lag. Aber durchaus sicher gemacht war. Ich mochte die Zeichnungen und etwas zu mögen ist besser, als es nur zu kennen. Das Sie später den Kopf unserer Freundin Katja und den Torso aufgebaut haben, unbekümmert, aber gebildet, dass Sie auf Rat gehört haben, das macht mich froh! Unsere Prüfungen aber werden nicht aufhören, unsere Fragen müssen die Herzen der anderen berühren und unsere Antworten sollen unsere Arbeiten sein.

Gute Wünsche für Ihre Ausstellung von Ihrem Werner Stötzer

aus: Grußwort im Ausstellungskatalog, Margit Grüger, Malerei, Aquarell, Grafik, Plastik, 1989

                                                                                                                                                                                      

In Margit Grügers Bildern von der Großstadt ist die Hervorhebung neuzeitlicher Erscheinungsformen ein Ausdruck ihres sehr bewussten Zeitgefühls. Die kühlen Farbkombinationen von Violett-Weiß, Rosé-Violett, Blau-Rosé sowie die Verwendung von Altrosa und kontrastierendem Grün in transparenter Acryl- und Gouachetechnik werden von der Künstlerin bevorzugt und schaffen sachliche Distanz zum Betrachter.

In unzähligen Bildnisstudien mit Kohle und Bleistift ist sie bemüht, das Charakteristische von Physiognomien zu erforschen und herauszustellen. Dabei ist ihr an Porträtähnlichkeit gelegen. Mit ruhigem Interesse und zurückhaltender Neugier konstatiert sie das z.T. skurrile Treiben auf Großstadtstraßen, modischen Gags und menschliche Extravaganzen.

aus: Vorwort zum Ausstellungskatalog Margit Grüger, Malerei, Collage, Grafik, Plastik von Dörthe Lammel, Kunstwissenschaftlerin, 1989

 

Akademie stellt Werke des Nachwuchses im Berliner Marstall vor

Das fällt besonders bei den Bildniszeichnungen auf, die Reneé Hendrix, Hans Löffler oder Margit Grüger eingebracht haben. Nicht in jedem Falle dienen die zeichnerischen Mittel da auf so glückliche Weise zur Charakterisierung der Dargestellten wie in der spröden, aber treffsichereren Bleistiftzeichnung Patrizia von Margit Grüger.

Neues Deutschland, Dietmar Eisold, 5.Juni 1987

 

Diplome zur Ansicht, zu einer Ausstellung in Leipzig

In der Grafik fand ich u.a. die Diplomarbeit von Margit Grüger wieder, aus der wir schon zwei Arbeiten (FORUM 14/81) vorgestellt haben - ihr ist mit den Berliner Impressionen etwas sehr Feinsinniges und Stimmungsvolles gelungen.

Forum 20/81, Peter Schendel

  

Die 100.Ausstellung der Galerie im Kulturpalast zeigte 1988 das Ergebnis der Aktion Max braucht Kunst. 30 Künstler hatten sich beteiligt.

Es zeigte sich: Neben den Apologeten des Bitterfelder Weges gab es jene Künstler, die mutig mit manchem nonkonformen und kritischen Werk öffentlich geworden waren und die die Aufforderung zu „erregendem Werk“ ernst genommen hatten: der „junge Wilde“ Sangare Siemsen, der DaDa-Piktogrammatiker Wolfgang Smy, der expressive Verfremder Walter Eisler, der Neo-Expressionist Lutz Gode, die Formexzentrikerin Margit Grüger, die ungestüme Elena Olsen, der kritische Analytiker Lutz R. Kretscher, der magische Versachlicher Ulf Raecke.

Dr. Maren Kratschmer-Kroneck, Kunst aus der DDR auf dem Prüfstand, Katalog Kunstsammlung Maxhütte seit 1945, Dokumentation und Werkverzeichnis, 2004

 

 

Portraitfoto: E.A. Grüger

Fotos von den Arbeiten by Margit Grüger

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